#376 Akkorde üben auf dem Saxophon: Warum isoliertes Üben dich nicht weiterbringt – und was stattdessen funktioniert
Akkorde üben, Skalen durchspielen, Tonleitern in allen zwölf Tonarten – und trotzdem das Gefühl, auf der Stelle zu treten?
Damit bist du nicht allein. Viele Saxophonist:innen investieren Monate oder sogar Jahre in das systematische Durcharbeiten von Akkordtypen und Tonleitermaterial, ohne merkbare Fortschritte in der Improvisation zu machen.
Der häufigste Fehler, den ich als Saxophonlehrerin beobachte, ist das isolierte Üben. Major-Seven-Akkorde in allen Tonarten. Dominant-Seven-Akkorde in allen Tonarten. Minor-Seven-Akkorde in allen Tonarten. Das klingt nach einem soliden Plan – ist es aber nur die halbe Miete. Denn das reine Durchspielen von Akkorden und Skalen ohne musikalischen Zusammenhang ist wie Vokabeln lernen, ohne je einen Satz zu sprechen. Du kennst die Bausteine, aber du weißt nicht, wie du sie zusammensetzt.
Der entscheidende Trick ist simpel: Übe Akkorde und Skalen niemals separiert, sondern immer im Kontext mit einem konkreten Stück. Ein Jazz-Standard wie „All of Me“ eignet sich dafür hervorragend. Wenn du die Akkorde im Kontext eines Stücks übst, passiert Folgendes:
- Du lernst die Akkorde des Stücks nicht abstrakt, sondern in ihrer musikalischen Funktion.
- Du verstehst die Melodie und wie sie über die Harmonien verläuft.
- Du erkennst den Zusammenhang zwischen den Akkorden – wie sie sich zueinander verhalten und ineinander übergehen.
- Und du entwickelst ein Gespür für harmonische Bewegungen, das dir beim freien Improvisieren hilft.
So setzt du es praktisch um:
- Wähle einen Standard – zum Beispiel „All of Me“.
- Arbeite die Akkordfolge durch und übe jeden Akkord im Kontext des Stücks.
- Dann spiele das Stück zunächst ohne Playback, nur mit Metronom und in langsamem Tempo.
- Achte auf saubere Phrasierung und fehlerfreies Spiel. Erst wenn das sitzt, nimmst du das Playback dazu.
Diese Vorgehensweise fühlt sich anfangs vielleicht langsamer an, führt aber langfristig zu deutlich besseren Ergebnissen.
Fazit:
Akkorde üben ist nicht blöd – Akkorde ohne Kontext üben ist blöd. Nimm dir ein konkretes Stück, verinnerliche die Akkorde darin und baue dein harmonisches Verständnis Schritt für Schritt auf. So wird aus stumpfem Üben echtes musikalisches Wachstum.
Hier die Noten zum Download aus dem Video.
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