#363 🎷 Obertonübungen für Anfänger – So entfaltest du einen volleren Saxophon-Sound
Wenn wir Saxophon spielen, wünschen wir uns alle diesen warmen, vollen, tragenden Sound – den Klang, der einen Raum ausfüllt wie eine sanfte Welle. Doch dieser Klang entsteht nicht durch stärkeren Druck, mehr Kraft oder komplizierte Griffe. Er entsteht, indem wir lernen, wie unser Instrument innerlich klingt. Und genau hier kommen die Obertöne ins Spiel.
🎷 Was Obertöne wirklich sind
Viele Saxophonist*innen denken bei Obertönen sofort an Altissimo: an extrem hohe, anspruchsvolle Töne weit über dem normalen Register. Doch das ist nur ein sehr spezialisierter Nebeneffekt, der sich später einstellt.
Eigentlich sind Obertöne wie die unsichtbaren Bausteine deines Sounds – kleine Bestandteile, die deinen Ton dichter, runder und farbiger machen.
Wenn du lernst, Obertöne zu kontrollieren, ist es, als würdest du die „Geheimsprache“ deines Instruments entschlüsseln. Dein Saxophon beginnt zu vibrieren wie ein Klangkörper, nicht wie ein Rohr. Du kommst deinem natürlichen Sound näher – dem Sound, den du vielleicht schon im Kopf hörst, aber noch nicht produzieren kannst.
🌊 Obertöne als Klangtraining – nicht als Zirkustrick
Stell dir vor, dein Grundton ist ein See. Ruhig, tief, beständig.
Die Obertöne sind die Wellen darüber – sanft, schimmernd, voller Bewegung.
Und deine Aufgabe ist es nicht, alle Wellen perfekt zu kontrollieren, sondern zu spüren, wie sie zusammengehören.
Deshalb starten Anfänger*innen am besten nur mit:
Grundton – 1. Oberton – 2. Oberton
Diese drei Ebenen bilden bereits ein reiches Klangspektrum. Der dritte Oberton ist wie der Gipfel eines Berges – schön anzusehen, aber noch nicht nötig für die ersten Wanderungen.
🔧 Wie du startest, ohne Überforderung
Beginne mit einfachen Grifffolgen: tiefes B, H, C, Cis und D, und zu jedem Griff spielst du den Grundton sowie den ersten und zweiten Oberton. Nicht mehr. Nicht schneller. Nicht höher.
Es ist entscheidend, dass du diesen Weg leicht nimmst. Obertöne entstehen nicht durch Kraft, sondern durch innere Formung: deinen Zungenbogen, deinen Luftstrom, deine mentale Vorstellung. Je entspannter du bist, desto leichter „öffnet“ sich der Klang.
🌟 Warum sich das lohnt
Wenn du später wieder „normale“ Töne spielst, wirst du merken:
Dein Sound ist voller. Tiefer. Resonanter. Du spielst nicht einfach einen Ton – du spielst ein Spektrum.
Und du hast gelernt, dich auf die Klangdichte zu verlassen, statt nur auf den Griff.
So wie Sigurd Rascher es lehrte: Die Obertöne sind keine Virtuosität – sie sind das Fundament.
Hier der Link zum Download der Noten aus dem Video. https://my.hidrive.com/share/efxleuqcyq
