#384 Obertonübungen auf dem Saxophon: Wie viele solltest du wirklich spielen?
Obertonübungen auf dem Saxophon gehören zu den wichtigsten, aber auch am meisten missverstandenen Übungen. Gerade Anfänger und leicht fortgeschrittene Spieler fragen sich oft: Wie viele Obertonübungen soll ich eigentlich spielen? Und wofür brauche ich die überhaupt?
In diesem Beitrag erkläre ich dir, was Obertöne sind, warum sie deinen Sound auf ein neues Level bringen – und wie viel davon wirklich Sinn macht.
Was sind Obertonübungen?
Ein Oberton entsteht, wenn du einen Grundton überbläst – also ohne die Oktavklappe oder andere technische Hilfsmittel den nächsthöheren Ton erzeugst. Der Grundton auf dem Saxophon ist das tiefe B (alle Klappen geschlossen). Durch gezielte Veränderung der Luftgeschwindigkeit und der Artikulation kannst du diesen Ton in verschiedene Obertöne „aufbrechen“.
Die Obertonreihe folgt dabei immer dem gleichen physikalischen Muster: Oktave – Quinte – Oktave – Dur-Terz – kleine Terz – kleine Terz – Oktave.
Warum solltest du Obertonübungen spielen?
Es gibt zwei zentrale Gründe:
1. Vorbereitung auf das Altissimo-Register Wenn du irgendwann oberhalb von Fis 3 spielen möchtest, sind Obertonübungen die Basis. Du trainierst das Überblasen, das du für die Altissimo-Töne brauchst.
2. Ein vollerer, tieferer Sound Das ist der Grund, der oft übersehen wird – und der eigentlich viel wichtiger ist. Obertonübungen helfen dir, jeden Ton auf dem Saxophon mit mehr Klangfülle und Volumen zu spielen.
Der legendäre Saxophonist Sigurd Rascher beschreibt das in seinem Standardwerk Top Tones for Saxophone treffend: Wir wollen jeden Ton so spielen, als würden wir ihn mit Obertönen abbilden – mit der vollen Resonanz des Instruments.
Wie viele Obertonübungen solltest du spielen?
Hier ist meine klare Empfehlung, basierend auf der Übung aus Saxophone Essentials Volume 2 (Seite 7):
- Buchstabe A (Grundton → 1. Oberton): Die Basis. Hier startest du.
- Buchstabe B (Grundton → 1. + 2. Oberton): Dein Ziel als Anfänger und leicht Fortgeschrittener.
- Buchstabe C (bis zum 3. Oberton): Für Fortgeschrittene – hier gibt es eine natürliche „Stufe“ im Instrument.
Mein Tipp: Spiele bis einschließlich Buchstabe B und werde dort richtig sicher. Allein das hat einen enormen Einfluss auf deinen Sound. Den dritten Oberton zu erreichen, kann über ein Jahr dauern – und das ist völlig normal.
Häufige Fehler bei Obertonübungen
- Zu schnell aufgeben: Viele verzweifeln nach wenigen Wochen. Gib dir Zeit.
- Zu viel auf einmal wollen: Erst A und B meistern, bevor du an C denkst.
- Vergessen, wofür man übt: Es geht nicht nur ums Altissimo – es geht um deinen Grundsound.
Fazit
Obertonübungen sind nicht nur etwas für Profis, die im Altissimo-Register spielen wollen. Sie sind ein essenzielles Werkzeug für jeden Saxophonisten, der voller und gehaltvoller klingen möchte. Starte mit den Übungen A und B, übe sie regelmäßig – und du wirst den Unterschied in deinem Sound hören.
📘 Hier der Link zu den Obertonübungen in den
Saxophone Essentials Vol. 2 https://my.hidrive.com/share/3obcsrgkfb
