226 Schmerzen beim Saxophonspielen

In diesem Video geht es um Verletzungen durch das Saxophonspielen. Es ist eine sehr physische Angelegenheit, dieses Instrument zu spielen und zu meistern. Und in diesem Zusammenhang kann es immer wieder zu kleineren Verletzungen kommen. In diesem Video möchte ich auf die 4 häufigsten Schmerzen bzw. Probleme eingehen und Dir zeigen, mit welchen Maßnahmen Du dies verhindern kannst.

Am häufigsten passieren Verletzungen an der Lippe, konkret an der Unterlippe. Der Vorteil ist, dass sie nicht allzulange andauern und meist nach 1-2 Tagen schon wieder vorbei sind. Der Nachteil ist, dass die eigentlich bei jedem passieren und auch bei geübten und professionellen Saxophonisten nicht vermeidbar sind.

Die ersten Anzeichen dafür, dass die Unterlippe denächst verletzt sein wird (meistens innen an der Stelle, an der der Kontakt zu den unteren Schneidezähnen ist), kannst Du dann beobachten, wenn die Unterlippe beim Spielen beginnt weh zu tun. Die Unterlippe ist ein Muskel. Und wenn dieser Muskel zu sehr beansprucht und strapaziert wird, beginnt er zu schmerzen. Wenn Du mit ca. 30 Minuten Spielzeit noch in Deiner Komfort-Zone bist, wirst Du wahrscheinlich keinen Überanspruchung oder Schmerz empfinden. Wenn jedoch weiter darüber hinaus für eine oder mehrere Stunden spielst, wird die Unterlippe sehr stark beansprucht und der Muskel sogar überansprucht. Diese Reaktion ist völlig normal, wenn Du diese Belastung nicht gewöhnt bist. Dann ist die Muskulatur irgendwann sehr müde und schlapp und Du kannst den Ansatz nicht mehr halten.

Wann kommt es zu diese Überlastung?

Bei anstrengenden Übungen, z.B. Oberton und Altissimo Übungen kommt es sehr schnell zur Erschöpfung. Hier würde ich maximal 5 Minuten die ObertonÜbungen machen und dann auch direkt eine Pause, damit der Ansatz sich lockern kann und entspannter ist.

Auch wenn Du Ballden übst, oder Stücke in einem langsamen Tempo kannst Du sehr schnell Deinen Ansatz und die Unterlippe überlasten. Hier ist mein Tipp für Dich: Übe das Ganze aufgeteilt in 8 oder 16 taktige Abschnitte und mache immer Pausen dazwischen um den Ansatz zu lockern.

Aber auch eine Vielzahl an weiteren Ursachen kann zu einer verletzten Unterlippe führen: Dein Blatt ist zu schwer oder bei manchen Plastik Blättern sind die Kanten zu scharf.

Wenn Dein Blatt zu schwer ist, muss Deine Unterlippe auch mehr arbeiten, um mit dem größeren Widerstand klarzukommen, Du ermüdest in der Folge schneller, verkrampfst manchmal auch und kannst nicht mehr das Blättchen halten. Ich selber habe mir auch “blutige” Lippen von zu sehr scharfkantigen Plastik Blättern geholt. Daneben wird der Widerstand beim Spielen auch definitiv größer, wenn Dein Saxophon nicht mehr zu 100% abdichtet. D.h. der Widerstand beim Spielen wird in diesem Fall auch größer. Mein Tipp hier: bringe Dein Saxophon regelmäßig zum Instrumentenbauer.

ein zweiter Aspekt sind Rückenschmerzen bzw Nackenschmerzen: Dies kommt sehr häufig vor, den Du trägst und hältst das Saxophon buchstäblich am Hals. Und wenn Du ein größeres Instrument spielst, (z.B. Tenor oder Bariton), dann ist es ein nicht unerhebliches Gewicht, was Du da trägst. Und wenn Du dann noch über einen längeren Zeitraum spielst, z.B. mehr als eine Stunde pro Tag, empfehle ich Dir definitv in ein Gurtsystem zu investieren. Dies entlastet Deinen Rücken und das Spielen fällt Dir wesentlich leichter. Mittlerweile gibt es viele unterschiedliche Gurtsysteme. Aus eigener Erfahrung empfehle ich den JazzLab Gurt, den ich schon seit vielen Jahren benutze. Darüber hinaus empfehle ich auch immer den Zappatini Gurt, der auch sehr gut geeigent ist. Wenn Du dennoch mit einem Halsgurt spielen möchtest, so empfehle ich Dir, ein Modell auszusuchen, was ausreichend gepolstert ist und auch die Gurtbänder weit genug gespreizt sind, sodass Dein Hals sich nicht so eingeschnürt anfühlt. Weiter unten findest Du meine Empfehlung an Gurten. Und hier ein Link zu einem Video, in dem ich verschiedene Gurtmodelle vorstelle: https://saxophonkurs-online.de/112-gurte-was-macht-einen-guten-gurt-aus/

ein dritter Aspekt betrifft das Handgelenke Und zwar beobachte ich dies ausschließlich bei der linken Hand. Meist ist hier auch die Oktavklappe beteiligt. Die Griffposition bei der Oktavklappe beeinflusst auch die Haltung des Daumens. Und darüber hinaus weiter auch in der Fortsetzung die Position der Hand. Bei Vintage Instrumenten ist die Auflagefläche für den Daumen sehr klein. Aber auch hier kann man mit Kork oder der Knetmasse FIMO sehr unkompliziert Abhilfe schaffen. Ich selber habe dies bei meinem Bariton Saxophon installiert und freue mich jedes Mal beim Spielen, dass ich so bequem spielen kann. Diese Daumenposition überträgt sich dann im Folgenden auf das komplette Handgelenk und beeinflusst sehr stark, wie entspannt oder verkrampft gespielt wird. Darüber hinaus ist de Position der Finger zu den Klappen auch sehr entscheidend. Hier gilt es eine Stellung zu finden, in der die Finger alle Klappen mühelos erreichen können, auch die Klappen für die tiefen Töne. Darüber hinaus lohnt es sich, die Winkel der Handgelenke beim Spielen anzuschauen. Die Handgelenke sollten gerade und nicht abgeknickt sein. Mit geknickten Handgelenken hast Du auch relativ schnell zu viel Spannung auf den Gelenken und vor allem auch den Sehnen. Dies führt dann schnell zu Schmerzen oder auch nicht selten zu einem Tennis Arm.

Als letzten Aspekt bzw. Schmerzquelle möchte ich den rechten Daumen erwähnen. Der rechte Daumen ist mit Abstand am passivsten beim Saxophonspielen, sprich er hat nichts zu tun, außer das Saxophon zu halten bzw. auszurichten. Jedoch passiert es schon mal, dass der rechte Daumen – dadurch dass die Gurthöhe zu niedrig ist – das Saxophon eher hochhält statt ausrichtet. Das bedeutet, das komplett Gewicht des Saxophons liegt nicht auf dem Gurt und in dem Fall auf Hals bzw. Schultern, sondern Du trägst das Saxophon komplett mit Deinem Daumen. In der Regel kannst Du den Daumenhaken auch ein bissschen nach rechts und linsk bewegen um Deine optimale Position zu finden. Hier lohnt es sich, ein bisschen Zeit zu investieren und die für Dich passende Position zu finden. Generell kann ich sagen, dass es beim Daumenhaken eher darum geht, das Saxophon auszurichten bzw. eine Balance zu finden, statt das Saxophon zu halten.

Wenn Du Probleme mit dem Daumenhaken hast, so kann ich die Produkte von Tino Schucht hier sehr empfehlen.http://www.schuchtsaxtechnology.com/Deutsch/Daumenhaken/daumenhaken.html

Nun interessiert mich Deine Meinung: Hast Du schon Bekanntschaft gemacht mit Schmerzen beim Saxophonspielen? Und wenn ja, helfen meine Tipps Dir weiter?

Schreibe dies gerne in die Kommentare.

Liebe Grüße Katrin

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